Bei Führungen durch die Halle und die Arbeitsräume konnten die Gäste die Aufgaben des Gebäudes und die Menschen kennenlernen, die künftig dort arbeiten werden. Auch gab es Gelegenheit für Gespräche und persönliche Begegnungen. Eine Besucherin, die gleich gegenüber wohnt, sagte: „Ich finde es wichtig, dass Nachbarn miteinander kommunizieren.“ Die Universität sei in diesem Sinne auch nicht anders als andere Anwohner.
Für einen Besucher war der Rundgang zugleich eine Reise in die eigene Vergangenheit: Der Nachbar hatte vor vielen Jahren selbst Agrarwissenschaften an der Universität Bonn studiert und später in diesem Fach promoviert. Beim Rundgang über das Gelände kamen Erinnerungen an seine Studienzeit und frühere Forschungsprojekte zurück. Der Besuch sei für ihn deshalb ein Stück weit wie ein „Nachhausekommen“ gewesen.
Sicheres Arbeit mit Pflanzen und Böden
Auch konkrete Fragen der Nachbar*innen kamen zur Sprache. Eine Besucherin wollte beispielsweise wissen, wie verhindert wird, dass mit Pflanzen oder Bodenproben aus anderen Teilen der Welt unbeabsichtigt fremde Organismen freigesetzt werden. Die Projektleitung Dr. Alina Klaus, Geschäftsführerin Dienstleistungsplattform Pflanzenversuche (DLP) konnte Entwarnung geben: Importierte Pflanzen und Böden werden zunächst unter kontrollierten Bedingungen gelagert und untersucht. Erst nach einer entsprechenden Kontrolle dürfen sie für Forschungsvorhaben und Analysen genutzt werden. Für Bodenroben aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ist im Gebäude ein eigener, den gesetzlichen Anforderungen entsprechend ausgestatteter Lagerbereich vorgesehen.
Sicherheit spielt auch bei der Verarbeitung heimischer Versuchspflanzen eine wichtige Rolle. So ist der Raum, in dem künftig unter anderem Pflanzenmaterial gedroschen und gemahlen wird, besonders geschützt. Die baulichen und technischen Vorkehrungen sollen verhindern, dass feiner Getreidestaub eine Staubexplosion auslösen kann.
Im Proben- und Vegetationszentrum werden künftig Pflanzen, Wurzeln und Böden aufbereitet und für weitere Untersuchungen in den Laboren vorbereitet. Das Gebäude gehört zur Dienstleistungsplattform Pflanzenversuche und wird instituts- und fakultätsübergreifend genutzt. Es schafft damit moderne Bedingungen für Forschung und Lehre – etwa für Versuche zur nachhaltigen Nutzpflanzenproduktion, zum Umgang mit Trockenstress, zur automatisierten Untersuchung von Pflanzen oder zum Einsatz von Robotik und digitalen Technologien in der Landwirtschaft.
Forschungsergebnisse werden zu Baustoffen
Beim Rundgang im „Grünen Haus“ wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur Gegenstand der Forschung ist, sondern auch beim Bau selbst eine zentrale Rolle spielte. Teile des Gebäudes wurden in Holzständerbauweise errichtet und mit natürlichen Materialien (Holzwolle) gedämmt. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom, unter anderem für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Strom der nicht im Proben- und Vegetationszentrum verbraucht wird, wird in andere universitätseigene Gebäude weitergeleitet.
Eine Besonderheit sind Baustoffe aus Miscanthus, besser bekannt als Chinaschilf. Das schnell wachsende Gras wird an der Universität Bonn seit vielen Jahren als nachwachsender Rohstoff am Versuchsstandort Campus Klein-Altendorf erforscht. Im neuen Zentrum wurden unter anderem beispielhafte Flächen mit Dämmstoffen und Putz auf Miscanthus-Basis umgesetzt. Forschungsergebnisse der Fakultät finden damit unmittelbar Eingang in die Praxis.
Auch die Außenanlagen wurden ökologisch gestaltet. „Rund ums Haus haben wir rund 50 Nisthilfen angebracht, die Vögeln mehr Brutmöglichkeiten mitten in der Stadt bieten“, erklärte Fakultätsmanagerin Dr. Birgit Hoegen. Darüber hinaus wurden Unterkünfte wie z.B. Trockensteinbereiche und Fassadenbegrünung für verschiedene Insekten geschaffen. Für diesen Zweck wurde auch ein Sandarium angelegt, ein Nistbereich, der insbesondere den heimischen Wildbienen, die im Boden brüten, einen optimalen Lebensraum bietet.
Die Begehung mit den Nachbarn zeigte, dass das neue Gebäude nicht nur ein Ort für moderne Agrarforschung sein soll. Mit der Einladung öffnete die Exzellenzuniversität zugleich ihre Türen zum umliegenden Stadtviertel, um Einblicke in ihre Arbeit zu geben. In den Gesprächen wurde deutlich, wie groß das Interesse daran gerade auch in der Nachbarschaft ist. „Danke, dass Sie die durch die Bauarbeiten verursachten Umstände ertragen haben“, sagte Dr. Hoegen zum Abschluss der Begegnung und schloss mit einer Bitte: „Haben Sie auch in Zukunft ein Auge auf uns und unser Grünes Haus!“